Regie 

Regiestatement von Marcus H. Rosenmüller


 „Brenna tuat’s schon lang“ ist ein Film über Hubert von Goisern, über die innere und äußere Reise, die er in seiner nun 25-jährigen Karriere zurückgelegt hat. Über einen Künstler, der - obwohl Weltmusik machend - stets die Musik aus seiner Heimat im Zentrum seines Schaffens hat. Der trotz ständiger Bewegung geerdet geblieben ist. Dessen Erdung die Heimat prägt, mehr als die Heimat ihn geprägt hat. Weshalb sie ihn hin und wieder ausspuckt.

Diese Erdung und Verwurzelung bildet den roten Faden und die große Klammer des Filmes. So beginnt die Handlung in der Nachbargemeinde von Goisern, am Hallstätter See. Hubert um 5 Uhr früh beim Angeln – noch bevor die chinesischen Touristen den Ort erobern. Privat und ungezwungen geht er seiner Leidenschaft nach. Angeln als Motiv, als Metapher und als klares Zeichen, dass man sich Zeit nimmt. Dieses Anglermotiv zieht sich durch und damit endet der Film auch.

Schließlich steht diese Tätigkeit für vieles: zum einen für einen Charakterzug und eine persönliche Leidenschaft von Hubert von Goisern. Daneben kann es aber mehrere, für mich als Regisseur passende und den filmischen Raum öffnende Interpretationen erlauben. So zum Beispiel: als Zeichen der Gefahr, in die sich ein Künstler begibt. Die Gefahr, mit seinem Kahn unterzugehen. Dann: die Fähigkeit, sich in Geduld zu üben, den richtigen Köder ausgeworfen zu haben. Aber auch das Vertrauen zu haben, dass es in dem Gewässer der Kunst überhaupt jemanden gibt, der anbeißen könnte. Eine weitere Interpretation wäre das universelle: als Künstler von einer bestimmten Zeit/Welle/Stimmung getragen zu werden. Mittler zwischen Himmel und Unterwelt (die Spiegelung des Himmels im Wasser). Zuletzt noch die religiöse Interpretationsmöglichkeit: Der Künstler als Fischer, als Glaubensvermittler.

Meiner Meinung nach muss man keiner dieser Interpretationsmöglichkeiten folgen und wird trotzdem spüren, dass der rote Faden stimmig ist, weil er zu einem ungezwungenen, echten Interview führt. Über dieses Interview werden wir auf die vier wichtigen, prägenden Phasen in der Karriere von Hubert von Goisern zu sprechen kommen. Diese Phasen werden dann wiederum in einem Gespräch mit einem jeweiligen Protagonisten dieser Zeit an einem prägenden Ort durchleuchtet und durch Archivmaterial lebendig.
Eine besondere Würze erfährt der Film über Hubert
von Goisern durch Außenbetrachtungen: Wer (außer womöglich seiner Frau) musste an der Seite von Hubert von Goisern mehr Kämpfe durchleiden, Niederlagen einstecken und Siege feiern als sein Manager Hage Hein, seit einem Vierteljahrhundert an seiner Seite. Auch er wird zu all den Ereignissen interviewt und seine teilweise andere Sicht auf die Geschehnisse, auf die Person Hubert von Goisern, sorgen dafür, dass es sich hier nicht um eine verherrlichende Werbekampagne sondern um einen Film handelt, der intensiv und offen die 25 Jahre währende Reise des Musikers Hubert von Goisern beleuchtet.

 

Biografie

1973 

in Tegernsee geboren, aufgewachsen in Hausham, Oberbayern                                                                            

1993

Abitur in Miesbach

1994  

Zivildienst in Agatharied 

1995 - 2003

Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München

 Danach selbständige Tätigkeit als Regisseur                                                               

Filmografie 

2014  

Beste Chance (Kinofilm, Regie)


2013   

Singspiel auf dem Nockherberg, (Regie)

2012 

Wer ́s glaubt wird selig (Kinofilm, Regie) 

2011 

Sommer der Gaukler (Kinofilm, Regie)


Dokumentation über die Band LaBrassBanda, Russland (Aufzeichnung im Zirkus Krone, Regie)

2010 

Sommer in Orange (Kinofilm, Regie)
 

2008 

Die Perlmutterfarbe (Kinofilm, Regie und Co-Autor)  

2007

Beste Gegend (Kinofilm, Regie)


Räuber Kneissl (Kinofilm, Regie)  

2006 

Schwere Jungs (Kinofilm, Regie)


Beste Zeit (Kinofilm, Regie)  

2005 

Wer früher stirbt ist länger tot (Kinofilm, Co-Drehbuch mit Christian Lerch und Regie)

2004/2005

drei Teile der Dokumentarreihe Irgendwo in Bayern Kerzenwallfahrt zum Bogenberg

Lieder und Leben auf der Alm Drachen und andere Originale


 

Diverse Kurzfilme an der HFF u.a.

Nur Schreiner machen Frauen glücklich (deutscher Hochschulfimpreis in Gold) Kümmel & Korn
Hotel Deepa (Abschlussfilm Stipendiat DAAD/Goetheinstitut in Pune/Indien)